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Unsere Ziele

Ziele für den Nationalpark Unteres Odertal

 

1. Prozessschutz und Entwicklung natürlicher Lebensräume

Der Schutz der natürlich ablaufenden Prozesse und die Entwicklung möglichst weitgehend natürlicher Lebensräume sind wesentliche Ziele in einem Nationalpark, die diese Schutzkategorie hervorheben und von anderen abgrenzen. Sie sollen auf mehr als der Hälfte der Nationalparkfläche mit höchster Priorität umgesetzt werden. Die Auswahl dieser Flächen erfolgt nach dem Entwicklungspotenzial und der räumlichen Vernetzung (möglichst große, zusammenhängende Flächen). Diese Flächen sind im Nationalparkgesetz bereits als Schutzzone I ausgewiesen. Bei der Verwirklichung dieser Ziele ist trotz der hohen Priorität auf aktuelle Eigentums- und Nutzungsverhältnisse und soziale Aspekte der einheimischen Bevölkerung Rücksicht zu nehmen. Für diese Entwicklung wird eine Nutzungsfreiheit vorausgesetzt. Für die Flächen der Schutzzone Ia trifft dies bereits zu, für die Flächen in der Schutzzone Ib soll dieses auf der Grundlage des Unternehmensflurbereinigungsverfahrens mittelfristig umgesetzt werden.

Prozessschutz und der gezielte Schutz bestimmter Arten und Lebensraumtypen schließen sich im Allgemeinen aus, da das Entwicklungsergebnis des Prozessschutzes nicht sicher vorhersagbar ist. Ein Eingriff im Sinne eines Managements ist auf diesen Flächen nicht gewollt. Dies kann durchaus auch zum Verschwinden geschützter Arten und Lebensraumtypen führen. Mit der Schaffung der Wildnisgebiete entstehen in der Kulturlandschaft Mitteleuropas jedoch verlorengegangene oder zurückgedrängte, natürliche Lebensräume der Flussaue. Der Nationalpark schafft damit Rückzugsräume daran gebundener, wildlebender Pflanzen und Tiere, die sonst nur noch geringe Überlebenschancen haben.

Auf den Prozessschutzflächen wird grundsätzlich nicht in die natürlichen oder naturnahen Entwicklungsabläufe eingegriffen. Hier vertraut der Mensch auf das flexible Selbstregulationspotenzial naturnaher und artenreicher Lebensgemeinschaften und auf das natürliche Regenerationspotenzial devastierter Flächen. Nur auf diese Weise kann sich Wildnis entwickeln. In diesen Flächen kann auch die dynamische Anpassung an den Klimawandel studiert werden, was wiederum wertvolle Rückschlüsse auf notwendige Anpassungsstrategien außerhalb des Nationalparks liefern kann. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass auch Neobiota in Prozessschutzflächen ihren Platz finden können und zu tolerieren sind.

Auf den Prozessschutzflächen ist zu gewährleisten, dass menschliche Störungen jeder Art weitgehend unterbleiben und die abiotischen Verhältnisse dem natürlichen Zustand weitgehend entsprechen. In der Flussaue ist in erster Linie auf natürliche Überflutungsverhältnisse und Stoffumlagerungsprozesse zu achten sowie Einträge fremder Stoffe wie z. B. Schwermetalle sind zu vermeiden. Unter diesen Prämissen ist dennoch zu gewährleisten, dass die Prozessschutzflächen für die Nationalparkbesucher dort erlebbar bleiben, wo dies mit dem Schutzzweck bzw. der Wildnisentwicklung vereinbar ist.

Soweit von Prozessschutzflächen ernsthafte Gefahren für Menschen und menschliche Werte ausgehen, die auf andere Weise nicht gebannt werden können, so sind in diesen  Fällen Eingriffe in Prozessschutzflächen statthaft.

2. Renaturierung

Renaturierungsvorhaben spielen in der weiteren Entwicklung des Nationalparks Unteres Odertal eine entscheidende Rolle. Bedingt durch die teilweise intensive land- forst- und fischereiwirtschaftliche Nutzung in der Vergangenheit und die entsprechenden Umgestaltungen der Landschaft wurden mehr oder weniger naturferne Verhältnisse geschaffen, um die Produktionsverhältnisse zu verbessern.

2.1 Renaturierung des Wasserregimes

Der Schwerpunkt der erforderlichen Renaturierungsmaßnahmen liegt auf der Wiederherstellung natürlicherer Überflutungsverhältnisse in der Flussaue, die in der Vergangenheit durch komplexe wasserbauliche Maßnahmen stark verändert wurde. Wenngleich eine völlige Wiederherstellung der natürlichen Gewässerverhältnisse aus heutiger Sicht vor allem wegen der vielfachen, fortbestehenden Nutzungsansprüche (Siedlungshochwasserschutz, z.T. Landwirtschaft, Schifffahrt) nicht realistisch erscheint, so sind doch wesentliche Veränderungen hin zu einem möglichst naturnahen hydrologischen Regime erforderlich und grundsätzlich machbar.

In erster Linie ist die Verlängerung der Öffnung der Überflutungspolder 10 und A/B im Frühjahr zu nennen. Das nach geltendem Recht praktizierte Schließen der Deichöffnungen um den 15. April mit nachfolgender Polderentwässerung ist vor allem für zahlreiche Brutvögel und die Fischfauna problematisch und führt zu umfassender Habitatentwertung. Eine bis zum 15. Mai verlängerte Öffnung der Polder und die Reduzierung des Pumpbetriebes ist ein wichtiger Schritt zur Renaturierung des Wasserregimes, der nach den Ergebnissen einer wissenschaftlichen Machbarkeitsstudie realisierbar ist. Bedingung ist jedoch der Ausgleich einhergehender landwirtschaftlicher Ertragseinbußen, der im Wesentlichen mit dem Instrument der Flurneuordnung erreicht werden soll. Dieses Ziel ist mittelfristig erreichbar.

Günstiger als eine Verlängerung der Polderöffnungsdauer ist die dauerhafte Öffnung. Diese ist ebenfalls nach der genannten Studie im Polder 10 untersucht und für machbar befunden worden, jedoch mit weiteren Einschränkungen der landwirtschaftlichen Nutzbarkeit. Die dauerhafte Öffnung der vorhandenen Bauwerke im Polder 10 stellt das vordringlichste Renaturierungsprojekt im Nationalpark dar, das aufgrund der bereits eingeschränkten landwirtschaftlichen Nutzung des Polders mittelfristig umsetzbar ist. Im Polder 10 ist aufgrund der höheren Überflutungswahrscheinlichkeit gegenüber dem Polder A/B das größere naturschutzfachliche Potenzial einer dauerhaften Öffnung vorhanden.

Soweit die sozioökonomischen und gesamtgesellschaftlichen Rahmenbedingungen es zulassen, wird als langfristiges Ziel für den Polder A/B eine weitere, stetige Annäherung an naturnahe Wasserverhältnisse angestrebt. Unter diesen Voraussetzungen soll auch der Wiederanschluss der von der Flussaue vollständig getrennten, hochwasserfreien Trockenpolder erfolgen. Vor allem der Lunow-Stolper-Polder besitzt ein großes Potenzial, auch für den Hochwasserschutz, allerdings hätte eine solche Maßnahme auch Auswirkungen auf landwirtschaftlich genutzte Polderteile außerhalb des Nationalparks. Hier müssten zuvor Ackerflächen in Grünland umgewandelt werden. Neben dem Lunow-Stolper-Polder fallen noch die Randpolder 4 und 5/6 in diese Kategorie. Während der kleine Polder 4 bereits nutzungsfrei ist und im Zuge einer Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme kurzfristig an die HoFrieWa angeschlossen werden könnte, sind die aktuellen Nutzungsverhältnisse bei den vorgenannten, langfristigen Renaturierungszielen unbedingt zu berücksichtigen. Eine Umsetzung dieser Ziele ist erst vorgesehen, wenn  die Nutzungsansprüche dies zulassen.

2.2 Wiederherstellung von Altarmen und Altwässern

Ein weiteres Renaturierungsziel in der Flussaue besteht in der Anbindung von Altarmen im Sinne eines Anschlusses an die Hauptgewässer, insbesondere nach der Wiederöffnung von Trockenpoldern. Kurzfristig wäre dieses Ziel mit dem Anschluss der Tieflanke im Polder 4 an die HoFrieWa umsetzbar. Dies könnte zur Verbesserung des Biotopverbunds in der Aue, insbesondere für obligatorisch aquatische Organismen beitragen.

Ein weiteres Renaturierungsziel besteht in der Wiederherstellung und dem Erhalt von Altwässern in der Aue. Die auentypischen Verlandungsprozesse führen sukzessive zum Verschwinden dieser Gewässer, die unter anderem den besonderen Wert einer Flussaue ausmachen. Da die erosiven Kräfte des Flusses infolge der Wasserbaumaßnahmen wie Eindeichung, Begradigung und Uferbefestigung fehlen, können diese Gewässertypen in der Aue nicht mehr neu entstehen. Daher ist es erforderlich, nach und nach ausgewählte Altwässer zu entlanden, d. h. auszubaggern.  Dies sollte sich auf einzelne Gewässer im Abstand mehrerer Jahre beschränken und ausschließlich in der Schutzzone II geschehen. Diese Maßnahmen sind naturnah durchzuführen und sollten neben dem offenen Gewässer auch zu größeren Rohbodenflächen führen, die von auentypischer Vegetation spontan besiedelt werden könnten. Diese Maßnahmen sind kurzfristig zu beginnen und langfristig weiterzuführen.

2.3 Initialmaßnahmen

Durch langjährige Nutzung und vorangegangene Umgestaltung können auch auf geplanten Prozessschutzflächen (Schutzzone Ib) Verhältnisse vorherrschen, die Initialmaßnahmen erfordern, um für das Ökosystem charakteristische Prozesse erstmalig in Gang zu setzen bzw. zu ermöglichen.  Dies können z. B. Wiedereinführungen ausgestorbener Tierarten (Bsp. Stör) oder Pflanzenarten (Bsp. Schwarzpappel) oder auch die kleinflächige Beseitigung massiver Kulturfolgevegetation (verfilzte, von Landreitgras  dominierte Weideflächen auf Auwaldstandorten) sein.

Ausschlaggebend für die Berechtigung dieser Initialmaßnahmen ist die Wahrscheinlichkeit, dass ohne die Maßnahmen diese Prozesse dauerhaft verhindert bleiben. Initialmaßnahmen sind nur auf einem Teil der geplanten Prozessschutzflächen statthaft und dürfen bestimmungsgemäß nicht zu einem dauerhaften Management führen. Sie sind auch nicht zur Beschleunigung der Wildnisentwicklung statthaft, wenn diese ohne solche Maßnahmen zu erwarten ist.

 2.4 Waldentwicklung, ökologische Vernetzung

In den Waldflächen des Nationalparks besteht Renaturierungsbedarf im Sinne einer Entwicklung zu naturnahen Wäldern. Die Entnahmen beschränken sich auf die Kiefer und nicht heimische Baumarten. Die vollständige und flächige Beseitigung nicht heimischer Baumarten wird nicht angestrebt. In der Schutzzone I erfolgt keine Aufforstung bzw. Pflanzung, in der Schutzzone II beschränkt sich diese auf Ausnahmen mit Arten der potenziell natürlichen Vegetation. Das Pflanzenmaterial wird in autochthonen Beständen geworben bzw. aus diesen gezogen. Dieses Ziel ist kurzfristig erreichbar.

Zur ökologischen Vernetzung des Nationalparks Unteres Odertal mit dem Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin sollen Maßnahmen zum Aufbau eines Biotopverbundes ergriffen werden.

3. Entwicklung kulturabhängiger Lebensräume und Landschaftsbilder

Auch kulturabhängige Lebensräume und Landschaftsbilder sind im Nationalpark Gegenstand des Schutzzwecks, soweit sich dies aus gesetzlichen und internationalen Verpflichtungen ergibt. Dies sind vor allem die im Zuge der extensiven Schafbeweidung entstandenen Trockenrasen, sowie die Feuchtwiesen und –weiden in der Aue und extensiv genutzte Fischteiche. Diese Lebensräume sind in der Zone II des Nationalparks zu schützen, zu erhalten und zu entwickeln.

3.1 Grünland

Die Trockenrasen in der Schutzzone II sollen gepflegt und erhalten werden, vorrangig durch die extensive Beweidung mit Schafen und Ziegen auf die traditionelle Art. Da sich diese Nutzung gegenwärtig wirtschaftlich nicht selbst trägt, sind unterstützende Maßnahmen erforderlich.

So sollen für die Schäfer günstige Bedingungen geschaffen werden, z. B. durch die Vorhaltung von Tränkstellen, stationäre Auskopplungen und ggf. finanzielle Agrarförderungen. Bereits eingetretene Biotopverschlechterungen sind durch Eingriffe wie z. B. Gehölzentnahme und Abflämmen rückgängig zu machen.

Die Grünlandflächen der Schutzzone II in der Aue sollen mit Weidetieren extensiv bewirtschaftet oder gemäht werden. Das Verhältnis Mahd zu Beweidung ist so einzustellen, dass ein Optimum an Biodiversität resultiert. Dabei sind schonende Mahdmethoden, z. B. streifenweises Mähen anzuwenden. Die  Beweidung richtet sich an den angestrebten Schutz – und Pflegezielen aus und  passt sich dabei den essenziellen Standortbedingungen (z. B. standorttypischer Wasserhaushalt mit Überflutungen, Mesorelief,  kleinräumiges Vegetationsmosaik) an. Dies betrifft insbesondere die Weidezeiträume bzw. Weidetage, die Auswahl der Weidetiere und  die Besatzdichte (Großvieheinheiten je ha) innerhalb der Weidezeiträume. Die Weideflächen sind wilddurchlässig zu koppeln. Es ist besonderer Wert auf die Auskopplung schutzwürdiger, durch Beweidung gefährdeter Biotope wie z. B. Uferzonen, Feuchtsenken, Gewässer, Röhrichte und Auwaldflächen zu legen. Auch sonstige natürliche Landschaftsstrukturen wie Hecken und Einzelgehölze sind durch geeignete Maßnahmen zu erhalten und vor nachhaltiger Beeinträchtigung oder Zerstörung zu schützen. Die Wahl der Weidetierrassen obliegt den Landwirten, sofern durch neue Nutztierrassen keine Schäden an Natur und Landschaft und der Regenerationsfähigkeit der Auenflächen zu erwarten sind.

3.2 Fischteiche

Die Fischteiche sind mit Ausnahme des im Daueranstau befindlichen Brückenteichs in Stolpe (Schutzzone I) traditionell extensiv zu bewirtschaften, was den Sommerstau und das winterliche Trockenlegen umfasst. Nicht heimische und gebietsfremde Arten dürfen nicht ausgesetzt werden und die Intensität ist auf die Getreidezufütterungsvariante beschränkt. Die Bewirtschaftungsmaßnahmen sind naturverträglich auszuführen und sollen die Teiche erhalten. Nährstoffausträge durch Düngemitteleinsatz sind zu vermeiden. Schutzmaßnahmen gegen fischfressende Vögel (Vergrämung und Vertreibung) dürfen nicht über das Teichgelände hinaus wirken und keine Tiere verletzen oder töten. Die vorhandene Überspannung kann weiter genutzt und erhalten werden.

4. Entwicklung von Lebensraumtypen des Anhangs I der FFH–Richtlinie

Die vorhandenen Lebensraumtypen nach Anhang I der FFH-Richtlinie sind in der Schutzzone II zu erhalten, zu pflegen und zu entwickeln. Ziel ist ein guter Erhaltungszustand mit voller Funktionalität und optimalem Arteninventar.

In der Schutzzone I hat der Prozessschutz bestimmungsgemäß Vorrang. Dies kann bedeuten, dass sich in der Schutzzone I FFH-Lebensraumtypen verändern, unter Umständen auch verschlechtern oder verschwinden. In der Regel dürfte mit der spontanen Entwicklung und Verbesserung anderer FFH-Lebensraumtypen zu rechnen sein. In der Schutzzone II sind kulturabhängige Lebensraumtypen, die in der Schutzzone I eine quantitative und qualitative Verschlechterung erfahren, besonders zu fördern, so dass deren Gesamtbestand erhalten wird.

In der Schutzzone II ist besonderes Augenmerk auf die Brenndoldenwiesen als nutzungsabhängigen Lebensraumtyp zu legen Diese Flächen sollen im Juni und/oder September gemäht, ggf. mit Nachmahd beweidet werden. Für die Pflege und den Schutz der FFH-Trockenrasengesellschaften gilt das unter dem Punkt „Entwicklung kulturabhängiger Lebensräume und Landschaftsbilder“  Ausgeführte.

Die FFH-Waldlebensraumtypen liegen ganz überwiegend in der Prozessschutzzone und erfordern keine speziellen Managementmaßnahmen. Lediglich zur Entwicklung von Auwäldern wurden Initiierungspflanzungen mit flankierenden Schutzmaßnahmen wie Freistellen und Verbissschutz durchgeführt, da die Prognose für eine spontane Entwicklung auf den ansonsten geeigneten Standorten sehr ungünstig ist. In geringem Umfang sollen noch Auwaldinitiierungen auf geeigneten Standorten, vorwiegend im Zuge von A&E-Maßnahmen, durchgeführt werden (maximal 100 ha Initiierungsflächen).

 5. Artenschutz

5.1 Artenschutz – Ziele für Arten der Anhänge II und IV der FFH–Richtlinie

Für die Arten der Anhänge II und IV der FFH-Richtlinie besteht eine besondere Schutzverpflichtung nach europäischem Recht, die im § 4 des Nationalparkgesetzes Unteres Odertal ihre nationale Entsprechung gefunden hat. Da sich in den nationalparktypischen Prozessschutzflächen (Schutzzone I) Managementmaßnahmen grundsätzlich verbieten, werden hier auch keine speziellen Maßnahmen zur Förderung einzelner FFH-Arten oder Artengruppen durchgeführt. Vielmehr wird davon ausgegangen, dass sich in den natürlichen, weitgehend unbeeinflussten Lebensräumen in den Prozessschutzzonen stabile und günstige Lebensverhältnisse für zahlreiche Arten nach den Anhängen der FFH-Richtlinie herausbilden, die zur Förderung und Sicherung ihrer Bestände beitragen. Durch ein wissenschaftliches Programm zur ökosystemaren Umweltbeobachtung soll dieser Prozess überwacht und bewertet werden, so dass auch Aussagen zum Bestand und Erhaltungszustand dieser Arten möglich sind.

In der Schutzzone II des Nationalparks sollen hingegen Managementmaßnahmen zum Schutz und der Entwicklung von Arten der Anhänge II und IV der FFH-Richtlinie gezielt durchgeführt werden, sofern sie zur Sicherung oder Erreichung eines günstigen Erhaltungszustands erforderlich sind. Insbesondere solche Arten, die in den sich entwickelnden Prozessschutzzonen keine günstigen Bedingungen mehr finden, sollen in der Schutzzone II gefördert und ggf. angesiedelt werden. In besonderem Maße ist dies für Arten zu erwarten, die im Nationalpark an eine Flächenbewirtschaftung gebunden sind.

 

Besonders zu erwähnen wäre in dieser Kategorie der in Deutschland ausgestorbene Atlantische Stör (Acipenser oxyrinchus), der aktuell von der Gesellschaft zur Rettung des Störs e.V. im Odereinzugsgebiet wieder angesiedelt wird. Hier befinden sich im Nationalpark wertvolle Teillebensräume, die in das Besatz- und Forschungsprogramm mit einzubeziehen und ggf. aufzuwerten sind.

 

 

Auch für die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) und den gelegentlich wieder anzutreffenden Wolf (Canis lupus) besitzt das Gebiet Wiederbesiedlungspotenzial, das zu nutzen und zu entwickeln ist. Während beim Wolf eine spontane Ansiedlung wahrscheinlich ist, muss bei der Europäischen Sumpfschildkröte ein Initialbesatz in Erwägung gezogen werden.

 

Ansonsten ist davon auszugehen, dass die Ge- und Verbote des Nationalparkgesetzes und der Verordnungen zur Fischerei und Wildbestandsregulierung bei konsequenter Umsetzung geeignet sind, die FFH-Arten in ihrem Bestand zu schützen und zu fördern. Auch hier ist eine kontinuierliche Verifizierung des Prozesses mittels der ökosystemaren Umweltbeobachtung erforderlich.

 

5.2 Artenschutz – Ziele für Arten nach Anhang I der Vogelschutzrichtlinie

 

Für die Arten nach Anlage I der Vogelsschutzrichtlinie gelten grundsätzlich auch die allgemeinen Aussagen im Punkt Ziele der Arten der Anhänge II und IV der FFH-Richtlinie. Für zahlreiche Arten, Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola), Wachtelkönig (Crex crex), sonstige Wiesenbrüter, wird in der Schutzzone II ein dynamisches Grünlandmanagement eingeführt. (siehe unten 9.2).

 

Bei defizitären Nistmöglichkeiten sind in der Schutzzone II auch mittels geeigneter Nisthilfen Bestandsstützungen durchzuführen. Dabei handelt es sich um Übergangslösungen, bis eine natürliche Habitatausprägung diese Funktion erfüllt. Als Beispiel sei hier die Trauerseeschwalbe (Chlidonias niger) angeführt, deren Brutbestand aktuell nur mittels Nisthilfen gesichert werden kann.

 

5.3 Artenschutz – Ziele für sonstige wertgebende Arten

 

Auch für sonstige wertgebende Arten, die nicht unter die speziellen Schutzvorschriften der FFH- und Vogelschutzrichtlinie fallen, sind in der Schutzzone II des Nationalparks spezielle Schutz- und Managementmaßnahmen möglich, sofern sie die allgemeine Naturentwicklung nicht beeinträchtigen und als Übergangslösung zur Sicherung des Fortbestandes dieser Arten erforderlich sind. Als Beispiel sei hier der Schutz der vom Aussterben bedrohten Schwarz-Pappel (Populus nigra) gegen Verbiss im Jugendstadium und das Freilegen von Rohböden zur Naturverjüngung genannt. Auch für die Naturverjüngung der Flaumeiche (Quercus pubescens) und deren Bastarde wäre ein entsprechender Schutz angebracht.

 

 

6. Regulierung von Wildtieren und –pflanzen

 

Die Regulierung von Wildtieren und –pflanzen ist aus Naturschutzgründen in einem Nationalpark grundsätzlich nicht nötig. Aus anderen Gründen wie z. B. dem Hochwasserschutz und dem Schutz landwirtschaftlicher Kulturen kann jedoch auch im Nationalpark eine Regulierung der Wildbestände, vor allem Schwarzwild, Dam- und Rotwild, Fuchs, Dachs und Bisam erforderlich sein. Diese hat mit minimalem Eingriff und effektiv unter Berücksichtigung einer minimalen Beeinträchtigung des Naturhaushalts und anderer, nicht zu regulierender Arten zu erfolgen.

 

Wildpflanzen sind nur im begründeten Ausnahmefall zu regulieren, wenn dies zum Schutz anderer Arten und Lebensraumtypen zwingend erforderlich ist, z.B. Entnahme von Schlehe zum Erhalt der Trockenrasen.

7. Umweltbildung

Mut zur Wildnis

Nationalparke sind Gebiete in denen der Mensch sich auf dem überwiegenden Teil der Fläche zurücknimmt und der Eigendynamik der Natur freien Lauf lässt. In Brandenburgs einzigem Nationalpark wird seit einigen Jahren der Versuch unternommen, die mehrhundertjährige Kulturlandschaft in eine naturnahe Auenlandschaft zurückzuführen.

 

Für den durch die mitteleuropäische Zivilisation geprägten Menschen sind Entwicklungsgebiete für die Wildnis relativ neu und seine Aktivitäten beschränken sich v. a. auf das Betrachten dieser natürlichen Abläufe. Hier setzen die Ziele der naturkundlichen Bildung an, die heute mehr denn je nachhaltig sein müssen, um das Verhältnis des Menschen in der Natur in neue Dimensionen zu führen.

 

Das Erkennen der Notwendigkeit, Natur auch sich selbst zu überlassen, hat in Deutschland noch eine sehr junge Tradition. Dem daraus resultierenden weit verbreiteten Unverständnis ist entgegenzuwirken. Die Menschen sollen und müssen sich viel mehr als Teil der Natur begreifen, obwohl frühere notwendige Bindungen mit der fortschreitenden Moderne immer mehr verloren gegangen sind. Und die Entfremdung von der Natur schreitet weiter voran.

 

Großräumige intakte Natur ist nicht nur Rückzugsgebiet für Pflanzen- und Tierarten, sondern hat gerade für uns Menschen eine ganz wichtige Funktion. Die der natürlichen Dynamik unterliegende Natur und ihre Erlebbarkeit ist die Grundlage für ein nachhaltiges Naturverständnis. Das in der Natur erworbene Bewusstsein für die Komplexität der Lebensabläufe und Naturprozesse ist eine wichtige Basis für die Entwicklung von Kernkompetenzen im Umgang mit der Natur und im täglichen Leben insgesamt.

 

Die Erlebniswelt bietet eine Fülle von Möglichkeiten, sich der Natur auf ganz unterschiedliche Weise zu nähern. Das Erleben freier Natur in Form von unzerschnittenen, wenig gestörten Landschaften mit einer unüberschaubaren Vielfalt ist hier möglich und gewollt. Die zu entwickelnde Angebotspalette sieht den Menschen inmitten der Natur. Dessen Aktivität soll sich nicht allein auf das einseitige Betrachten beschränken. Das Naturerleben mit allen Sinnen bei Entfaltung auch körperlicher Aktivitäten zur Schulung motorischer Fähigkeiten bringt die notwendige Naturnähe, die bis in die Gefühlswelt vordringt und damit nachhaltige Eindrücke hinterlässt.

 

Um diese vielseitige und tiefgehende Naturempfindung zu initiieren, bedarf es Handlungsanleitungen, die v. a. das Praxislernen und damit die Selbsttätigkeit fördern. Praxisnahe naturkundliche Wissensvermittlung führt nur zum Erfolg, wenn das Naturerleben auf der Grundlage einer spannenden Wildnispädagogik erfolgt. Die damit verbundene Kompetenzorientierung soll gleichzeitig ökologische, soziale und ökonomische Inhalte miteinander vernetzen.

 

Der Nationalpark, als außerschulischer Lernort, soll dabei auch den Freizeitaspekt berücksichtigen. Das Schaffen dementsprechender Erlebniswelten, die auch die moderne mediale Welt der Kinder mit einbezieht aber nicht überbetont, kann den Respekt vor dem Lebendigen und die Faszination von deren Vielfalt neu entfachen. Authentizität schafft hier Wirkung! Auf diese Weise werden neben der Freude an und in der Natur Erfahrungen vermittelt, die nicht nur erlebt sondern auch gelebt werden können.

 

Gerade nachhaltige Bildung braucht Kontinuität und Zeit. Sie geht auf die verschiedenen Zielgruppen ein und berücksichtigt die altersspezifische Wiederholung. Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit mit Schulen soll das Naturerleben Gleichaltriger in Gruppen und im außerschulischen, insbesondere im Sozialverbund der Familie, stehen.

Die Schaffung derartiger Angebote umfasst die gesamte Infrastruktur vom Nationalparkhaus bis zu Naturerlebnispfaden sowie Führungen, Exkursionen oder Wanderungen mit dem Rad, dem Kanu oder zu Fuß in Abhängigkeit vom Tages- und Jahresverlauf.

 

Träger und Multiplikatoren der Bildung für nachhaltige Entwicklung sind im Nationalpark Unteres Odertal v. a. Mitarbeiter der Naturwacht Brandenburg sowie Natur-, Landschafts- und Kanuführer im engen Zusammenwirken mit Erziehern und Lehrern von Schulen und Kindereinrichtungen sowie weitere örtliche Bildungseinrichtungen. Darüber hinaus sind Spezialisten für Fauna und Flora verschiedener Vereine in die Betreuung von Nationalparkgästen zu integrieren.

 

Bildung für nachhaltige Entwicklung im Nationalpark bedeutet, den Lernenden die Möglichkeit zum Erwerb von Kompetenzen zu geben, die sie in die Lage versetzen, sich aktiv und verantwortungsvoll an gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen.

 

Diese Kernkompetenzen lassen sich unter dem Gesamtbegriff „Gestaltungskompetenz“ bündeln, die das wesentliche Ziel der Bildung für nachhaltige Entwicklung darstellt. Eine Auseinandersetzung mit persönlichen und gesellschaftlichen Wertvorstellungen ist im Lernprozess unabdingbar und in die Bildungsangebote des Nationalparks zu integrieren. Durch geeignete Rahmenbedingungen und die Wahl geeigneter Methoden soll der Nationalpark Möglichkeiten schaffen, sich diese Kompetenzen anzueignen.

 

Die Hauptinhalte der naturkundlichen Bildung im Nationalpark haben der Leitlinie zu folgen:

„Alles fließt – Natur kennt keinen Stillstand“.

Zu ihnen gehören aufgrund der Spezifik der Landschaft:

 

a.   Die vom Wasser geprägte Auenlandschaft mit den angrenzenden Hängen. Die Vielfalt der Lebensformen in den Flusstälern, die Auen mit ihrem Naturhaushalt und die Dynamik dieser Landschaft sind abwechslungsreiche Erlebniswelten.

 

b.   Die Entwicklungszonen der Wildnis mit ihrer wiedererlangten Ursprünglichkeit und Eigendynamik. Die wieder entstehende Naturlandschaft ist aufgrund ihrer Seltenheit in Mitteleuropa etwas Besonderes und deren Bedeutung für die heimische Fauna und Flora und damit für die Erhaltung der europäischen Biodiversität ist Gegenstand des Erlebens.

 

c.   Die Landschaftsentwicklung mit ihrer 10.000-jährigen Geschichte von Mensch und Natur. Das frühere und heutige Leben der Menschen am und mit dem Fluss und die damit verbundenen Veränderungen der Landschaft bestimmen diesen Erlebnisbereich.

 

Der Bildungsansatz hat dabei auf die oben genannten Kernkompetenzen entsprechend der Ziele der Bildung für nachhaltige Entwicklung abzuzielen. Das angestrebte Naturerleben soll sich dabei auf das Verantwortungsbewusstsein der Menschen fokussieren und ist die Voraussetzung ihres verantwortungsvollen Umgangs mit der Natur und den Mitmenschen. Das allgemeine Verständnis für die Natur und die Umwelt ist dabei Ziel aller Bildungs-, Erziehungs- und Informationsträger der nachhaltigen Bildung im Nationalpark.

8. Monitoring und Forschung

8.1 Monitoring

Der Nationalpark benötigt ein speziell an seine Erfordernisse und Bedingungen angepasstes Monitoring. Dies ist aus verschiedenen Gründen unverzichtbar. In erster Linie ist es wichtig, die Entwicklung des Nationalparks (inklusive bestimmter Lebensräume und Zielarten) zu beobachten und zu dokumentieren, um die Zielerreichung nach dem Schutzzweck einschätzen zu können und die entsprechenden Entwicklungs- und Managementmaßnahmen abzuleiten bzw. zu modifizieren. Besonders in der aktuellen Phase grundlegender Veränderungen im Sinne der Nutzungseinstellung in  der Schutzzone I b sowie mit dem Vollzug umfassender Renaturierungen, vor allem im hydrologischen Bereich sind starke Veränderungen der Naturverhältnisse zu erwarten, die es zu beobachten und zu bewerten gilt.

 

Das zweite große Monitoringziel ist das Studium der natürlichen Prozesse auf relativ großen Flächen und weitgehend frei von menschlichen Nutzungseinflüssen. Diese Verhältnisse liegen in Deutschland nur in Nationalparken vor, von denen wiederum nur ein Flußauennationalpark existiert. Es handelt sich insofern um ein einzigartiges Untersuchungsgebiet, das uns Kenntnisse natürlicher Regulationsmechanismen und Entwicklungen liefert, die vor dem Hintergrund rasanter Umweltveränderungen (Stichwort Klimawandel) von großem Wert für die menschliche Gesellschaft sein werden.

 

Ein weiterer Aspekt des Monitorings ist die Datenerfassung und -aufbereitung zur Erfüllung der Berichtspflichten gegenüber der EU-Kommission zum NATURA 2000 – Schutzgebietssystem und zur Wasserrahmenrichtlinie der EU. Im Hinblick auf die Umsetzung der Verordnung zur Wildbestandsregulierung im Nationalpark sind die Schalenwildbestände zu beobachten und zu erfassen. Auch für die Öffentlichkeitsarbeit der Nationalparkverwaltung muss das Monitoring geeignete Informationen liefern, die den Sinn und Nutzen des Nationalparks der breiten Öffentlichkeit vermitteln.

 

Das Monitoring ist systematisch, wissenschaftlich und langfristig anzulegen und bedarf eines konsistenten Konzepts. Dabei ist größter Wert auf die Auswahl repräsentativer Umweltindikatoren zu legen, die mit vertretbarem Aufwand untersucht werden können. Nach einer gründlichen Erstaufnahme der Parameter sind Wiederholungsaufnahmen in angemessenen Abständen zu gewährleisten und auszuwerten.

 

Die Ergebnisse des Monitorings sind u.a. in einer Datenbank zu speichern und zu sichern, die gezielte Abfragen und Auswertungen nach verschiedensten Anforderungen ermöglicht.

 

8.2 Forschung

 

Die Forschung im Nationalpark sollte sich auf die Arbeiten beschränken, die nicht an anderen Orten außerhalb des Nationalparks durchgeführt werden können. Sie sollte sich vorrangig am Schutzzweck des Nationalparks und seiner Erfüllung ausrichten und darf sich nicht nachhaltig negativ auf den Nationalpark und seine Schutzgüter auswirken. Wesentliche Forschungsschwerpunkte sind die Wildnisentwicklung und die Untersuchung charakteristischer Arten, Lebensgemeinschaften und Lebensraumtypen.

 

Von den Forschungseinrichtungen wird erwartet, dass ihre Ergebnisse dazu beitragen, das Schutzgebietsmanagement zu verbessern und die Entwicklung des Nationalparks zu fördern. Auch eine vertiefte Untersuchung der Auswirkungen von Managementmaßnahmen (Erfolgskontrolle) ist von hohem Interesse für Fragen des weiteren Managements des Gebietes.

 

Die Forschung im Nationalpark sollte langfristig und konzeptionell ausgerichtet werden. Langjährige Kooperationsbeziehungen zu renommierten und innovativen Forschungseinrichtungen sind zu bevorzugen und die Kontakte zwischen diesen Einrichtungen und der Nationalparkverwaltung sind zu pflegen. Die Ökosystemforschung erhält wichtige Aufgabenstellungen aus den Auswertungen des Monitorings und soll spezielle Fragestellungen vertiefend bearbeiten, die kapazitätsmäßig die Möglichkeiten des Monitorings überschreiten.

 

Einen wichtigen Beitrag zur Erforschung des Nationalparks leisten die ehrenamtlichen Naturforscher und Spezialisten, die den Tier- und Pflanzenbestand im Nationalpark beobachten und erfassen. Sie sind fachlich in die Entwicklung des Nationalparks einzubeziehen. Die Verwaltung sollte die ehrenamtlichen Erfasser anleiten, Schwerpunkte setzen und günstige Arbeitsbedingungen schaffen. Ein enger und beidseitiger Informationsfluss ist zu gewährleisten.

 

Auch die Mitarbeiter der Naturwacht des NaturSchutzFonds Brandenburg führen gezielte Erfassungen von Arten im Nationalpark entsprechend ihrer fachlichen Voraussetzungen durch. Die exzellente Gebietskenntnis der Naturwächter ist hierfür eine gute Voraussetzung.

9. Anforderungen an Nutzungen und Infrastruktur

Der allgemeine Schutzzweck des Nationalparks besteht in einer freien, vom Menschen weitgehend unbeeinflussten Naturentwicklung auf dem überwiegenden Teil seines Gebietes. Insofern ist eine wirtschaftliche Ressourcennutzung, soweit sie nicht den speziellen Zielen des Arten- und Biotopschutzes dient, für das Erreichen von Nationalparkzielen weder erforderlich noch zielkonform. Dennoch können solche Nutzungen im Nationalpark unter bestimmten Bedingungen weiterhin stattfinden. Diese abweichende Zulassung ist ausschließlich mit der sozioökonomischen Bedeutung der Nutzungen im Nationalpark bzw. seinem Umfeld und der Situation der ansässigen Unternehmen hinsichtlich des z. T. erheblichen Anteils an im Nationalpark gelegenen Wirtschaftsflächen zu begründen.

9.1 Wasserwirtschaft

Die Wasserwirtschaft hat sich im Nationalpark am Schutzzweck auszurichten. Zum Schutz der Natur ist in einer Flussaue grundsätzlich keine Wasserwirtschaft nötig. Da es im Nationalpark aber noch zahlreiche rechtlich festgeschriebene Nutzungen, teilweise mit einem langen oder unbeschränkten Zeithorizont gibt, und der Hochwasserschutz zu gewährleisten ist, werden wasserwirtschaftliche Maßnahmen auch weiterhin durchgeführt. Darüber hinaus kann wasserwirtschaftlicher Handlungsbedarf auch aus der komplexen und intensiven wasserwirtschaftlichen Umgestaltung der Flussaue im unteren Odertal in der Vergangenheit entstehen, wenn Renaturierungsmaßnahmen durchgesetzt werden sollen.

 

Die Wasserwirtschaft soll nach dem Prinzip des minimalen Eingriffs in den Naturhaushalt durchgeführt werden. Dabei ist auf die Belange des Biotop- und Artenschutzes Rücksicht zu nehmen, so dass mitunter auch betriebswirtschaftlicher Mehraufwand in Kauf genommen werden muss. Dies bezieht sich auf alle wasserwirtschaftlichen Aktivitäten wie Deichbau und –unterhaltung, Gewässerunterhaltung und Schöpfwerksbetrieb.

 

Bei der Gewässerunterhaltung soll grundsätzlich eine einseitige bzw. alternierende Böschungsmahd und Krautung vorgenommen werden, damit das Wiederbesiedlungspotenzial der unberührten Bereiche genutzt werden kann. Schmale Wasserläufe, in denen eine einseitige Mahd nicht möglich ist, sind abschnittsweise zu unterhalten. Maßnahmen der Gewässerunterhaltung sind außerhalb der Brutzeiten und Laichzeiten durchzuführen.

 

Der Betrieb der Schöpfwerke ist nicht schematisch, sondern entsprechend der konkreten Erfordernisse einer an den Naturschutz angepassten Landnutzung auszuüben. Die Entwässerung soll lediglich in dem Umfang erfolgen, wie dies zur Gewährleistung der berechtigten landwirtschaftlichen Nutzung unbedingt erforderlich und aus naturschutzfachlicher Sicht vertretbar ist und das Brutgeschehen der Vögel und die Laichzeiten der Fische berücksichtigen. Der Betrieb der Schöpfwerke ist bezüglich der Entwässerungszeiten und -tiefen mit der Nationalparkverwaltung einvernehmlich abzustimmen.

 

Die Wasserwirtschaft soll auch durch aktive Maßnahmen zur Renaturierung im Nationalpark beitragen. Dies kann z. B. durch die Öffnung von Deichen oder den Anschluss von Altwässern an den Hauptwasserlauf geschehen. Auch Staumaßnahmen können zur Verbesserung des Wasserhaushalts beitragen. Ein großes Betätigungsfeld eröffnet sich für die Wasserwirtschaft bei der Umsetzung der Maßnahmen der wasserwirtschaftlichen Machbarkeitsstudie.

 

9.2 Landwirtschaft

 

Die Landwirtschaft soll in der Schutzzone I b sukzessive eingestellt werden. Die Umsetzung dieser Zielstellung ist an die Voraussetzung gebunden, dass die betriebswirtschaftliche Betroffenheit zuvor gelöst wird. Dies soll mittels der Unternehmensflurbereinigung mittelfristig u. a. durch Bereitstellung von Tauschflächen geschehen. Bis dahin erfolgt die Bewirtschaftung der Flächen in der Schutzzone I b nach den Prämissen für die Schutzzone II.

 

In der Schutzzone II kann eine naturverträgliche Grünlandnutzung ausgeübt werden. Die Nutzung des Grünlandes soll sich an den Ansprüchen der zu pflegenden, zu fördernden und zu entwickelnden Tier- und Pflanzenarten bzw. Lebensraumtypen, ausrichten. Pflegemaßnahmen und ihre Durchführung auf dem Grünland, insbesondere Schleppen, Eggen oder Walzen sowie das Ausbringen von erlaubten Düngemitteln, sind in der Zeit vom 01. April bis zum ersten Nutzungstermin nicht gestattet. Eine Veränderung des gewachsenen Dauergrünlandes durch Einbringen von Zuchtsaatgut ist grundsätzlich nicht erlaubt. Bei der Mahd von Grünlandflächen ist auf Flucht – und Ausweichmöglichkeiten für Tiere Rücksicht zu nehmen. Bei der Befahrung der Flächen ist der Bodenschutz zu beachten.

 

Zum Schutz wiesenbrütender Vogelarten wird ein dynamisches Grünlandmanagement mit differenzierten Nutzungszeitpunkten und bestimmten Flächenkontingenten eingeführt. Für diese Flächen gelten besondere, an die Ansprüche dieser Arten angepasste Vorgaben zu Mahd oder Beweidung. Besondere Anforderungen an die Nutzung gelten auch für Grünlandlebensraumtypen wie Trockenrasen und Brenndoldenwiesen. Schutzwürdige Biotope und landschaftliche Strukturelemente, die durch Beweidung gefährdet sind, sind konsequent auszukoppeln, um Schäden zu vermeiden. Die landwirtschaftlichen Maschinen und Fahrzeuge sind dem vorhandenen land- und wasserwirtschaftlichen Wegenetz anzupassen, ein Ausbau für größere und schwerere Maschinen ist nicht vorgesehen.

9.3 Forstwirtschaft

Die Forstwirtschaft spielt im Nationalpark keine wesentliche Rolle mehr, da fast alle Wälder und Forsten in die Prozessschutzflächen überführt wurden und, von ggf. anstehenden biotopeinrichtenden Maßnahmen abgesehen, nicht mehr bewirtschaftet werden. Die wenigen, in der Schutzzone II verbleibenden Forstflächen sollen hin zu naturnahen Wäldern entwickelt werden. Einzelheiten sind in der in den Nationalparkplan zu integrierenden Behandlungsrichtlinie Waldentwicklung dargelegt. Besonderes Augenmerk ist auf eine schonende Wegesicherung zu legen, die der Nutzungsintensität der Wege und Verkehrsflächen sowie der Lage in einem Nationalpark angepasst ist.

9.4 Fischerei

In der Schutzzone I des Nationalparks soll zur Verwirklichung des Prozessschutzes die Fischerei vollständig eingestellt werden. Für die nichtgewerbliche Angelfischerei ist dies bereits im Wesentlichen vollzogen, wobei in einigen Gewässern in Siedlungsnähe noch übergangsweise bis höchstens 2022, längstens jedoch bis zur Einstellung der gewerblichen Fischerei auf diesen Gewässern die Angelfischerei erlaubt bleibt. Die gewerbliche Fischerei bleibt auf den Gewässern der Schutzzone I b im bisherigen Umfang noch solange für die Fischereiausübungsberechtigten erlaubt, bis diese das gesetzliche Rentenalter erreicht haben werden. Diese Übergangsregelungen sind aus sozialen Gründen wegen der hohen Betroffenheit erforderlich und erfolgen unter den Naturschutzvorgaben für die Schutzzone II.

 

In den Gewässern der Schutzzone II soll eine naturverträgliche, nachhaltige Fischerei in traditioneller Art und Weise möglich bleiben. Die Naturverträglichkeit soll mit einigen Auflagen und Einschränkungen erreicht werden, die mit der Fischereiverordnung bereits Verbindlichkeit erlangten. Darunter zählen Fischotterschutzvorrichtungen an Fischreusen, Gerätevorschriften für die Elektrofischerei, ein generelles Frühjahrsangelverbot in den Poldern mit wenigen räumlichen Ausnahmen, Genehmigungsvorbehalte für Gemeinschaftsangelveranstaltungen, Vorschriften zu speziellen Gewässerzuwegungen, Sperrbereiche um Brutstätten bestimmter Vogelarten und um Biberbaue und ein Nachtangelverbot in den Poldern.

 

Um die Auswirkungen der Fischerei und der speziellen Vorschriften zu evaluieren und die Fangdaten dem Umweltmonitoring zugänglich zu machen, gibt es die Verpflichtung zur Führung und Abgabe detaillierter Fangnachweise. Es wird eine enge Kooperation zwischen Berufs- und Angelfischerei einerseits und der Nationalparkverwaltung andererseits angestrebt, um die Fischerei für den Naturschutz und die Entwicklungsziele des Nationalparks und deren aktive Unterstützung zu gewinnen. Dies soll durch regelmäßige Treffen und gemeinsame, öffentliche Veranstaltungen wie z.B. das Schwedter Schaufischen gefördert werden.

 

Die Teichwirtschaft in Stolpe soll langfristig in der traditionellen Weise fortgeführt werden, da die besonderen hydrologischen Verhältnisse in bewirtschafteten Fischteichen besonders amphibischen, auentypischen Pflanzen und Tierarten zugute kommen. Nähere Ausführungen zu den Bewirtschaftungszielen in den Fischteichen sind im Punkt „Entwicklung kulturabhängiger Lebensräume und Landschaftsbilder“ enthalten. Die dafür erforderlichen Vorschriften sind in der Fischereiverordnung für den Nationalpark enthalten.

9.5 Siedlungsentwicklung und Verkehr

Der Nationalpark ist abgesehen von einem bewohnten Wirtschaftsgebäude der Wasserwirtschaft, einem kleinen Betriebsferienlager, einer aufgegebenen Zollstation und einer als Wildnisschule genutzten Ferienhausanlage frei von menschlichen Siedlungen.

Es ist keine Erweiterung der vorhandenen Siedlungen oder ihrer Nutzungen vorgesehen. Im Falle einer Aufgabe der Nutzungen (wie aktuell die Zollstation an der Oder am Polder 10) sollen diese Gebäude zurückgebaut werden.

Unmittelbar an den westlichen Rand des Nationalparks grenzen mehrere Ortschaften, darunter die Städte Schwedt/Oder und Gartz (Oder). Der Ortsteil Stolpe der Stadt Angermünde ist vom Nationalpark umschlossen. Eine gedeihliche Regionalentwicklung, die auch die Entwicklung der Ortschaften am Nationalpark umfasst, sowie die Entwicklung eines nachhaltigen Naturtourismus sind Bestandteile des Schutzzwecks des Nationalparks. Eine Ausdehnung von Siedlungen und Nebenflächen in den Nationalpark sind auszuschließen. Eine Erschließung der Nationalparkzugänge hat außerhalb des Nationalparks in der Nationalparkregion zu erfolgen (z. B. Parkplätze, Rastplätze, Zeltplätze).

 

Der Kraftfahrzeugverkehr im Nationalpark soll auf das unvermeidliche Maß beschränkt werden. Dazu gehört der bestimmungsgemäße Verkehr auf den dafür gewidmeten Straßen (B 113, 166, Kreisstraßen Stolpe – Dobberzin und Schöneberg – Felchow, Gemeindeverbindungsstraße Stolpe – Gellmersdorf, Teerofendamm). Es ist kein weiterer Ausbau der vorhandenen öffentlichen Straßen oder eine planmäßige Steigerung des Verkehrsaufkommens auf den vorhandenen Straßen zu betreiben. Eine weitere Zerschneidung des Gebiets durch Verkehrsanlagen über die bestehenden gesetzlichen Regelungen hinaus ist zu vermeiden.

 

Auf den nicht für den öffentlichen Kraftfahrzeugverkehr gewidmeten Wegen soll Kraftfahrzeugverkehr nur in begründeten Ausnahmefällen erlaubt werden, wenn keine zumutbaren Alternativen  bestehen. Grundsätzlich sind die Fahrzeuge den vorhandenen Wegen anzupassen und nicht umgekehrt. Baustraßen u. a. temporär notwendige Straßen oder Zusatzbefestigungen sind nach Beendigung des betreffenden Vorhabens schadlos zurückzubauen. Nicht mehr benötigte Wege (z.B. nach Aufgabe land- und fischereiwirtschaftlicher Nutzung) sind zurückzubauen.

 

Für eine qualitativ hochwertige touristische Erschließung des Gebiets inklusive seines Umfelds mit Ausrichtung auf den Naturtourismus ist das vorhandene und dafür erforderliche Wegenetz zu erhalten und seine Qualität gegebenenfalls zu verbessern. Dieses ergibt sich aus der in den Nationalparkplan zu integrierenden Behandlungsrichtlinie Wegenetz. Schwerpunkte sind der Fahrrad- und Wandertourismus. Weitere Ausführungen zum Thema sind unter dem Punkt „Ziele für den Tourismus …“ zu finden.

 

Der Schiffsverkehr ist nur auf den Bundeswasserstraßen zulässig. Lediglich für Boote der Berufsfischerei im für die Fischerei erforderlichen Umfang und für geführte Kanutouren auf festgelegten Routen zu festgelegten Zeiten gelten Ausnahmen. Motorboote sollen möglichst geräuscharm fahren, was den Einsatz von Airbooten und Jetski auch auf Bundeswasserstraßen ausschließt. Grundsätzlich sollen die Schiffsgrößen den vorhandenen Wasserstraßen angepasst werden und nicht umgekehrt. Ein weiterer Ausbau der Oder ist zu vermeiden.

 

Die Unterhaltung der Bundeswasserstraßen hat mit größter Rücksicht auf die Natur und das Landschaftsbild mit minimal möglicher Intensität zu erfolgen. Dabei soll möglichst wenig in die Uferstruktur eingegriffen werden. Buhnenfelder sollen wegen ihrer hohen Strömungs- und Substratdiversität erhalten und bei starker Verlandung durch Sedimentation sukzessive ausgebaggert werden. Uferbefestigungen mit Steinen, Stahl und Beton sind möglichst zu unterlassen. Sie sollten durch ingenieurbiologische Bauweisen erfolgen.

 

Das Überfliegen des Nationalparks mit Flugkörpern in geringer Höhe (unter 600 m) ist gemäß Luftverkehrsrecht nicht zugelassen.

9.6 Tourismus und die Integration des Nationalparks in die Region

Ein wesentliches Ziel des Nationalparks ist, dem Naturerlebnis und der Erholung der Bevölkerung zu dienen, soweit dies dem Schutzzweck nicht widerspricht. Der Wunsch nach dem Erleben intakter Natur zählt zu den wichtigsten Urlaubsmotiven der Bürger. Als positiver Imageträger bietet der Nationalpark Unteres Odertal der Region die hervorragende Möglichkeit, sich und sein Umfeld als unverwechselbare und attraktive Tourismusdestination zu etablieren.

Naturtourismusdestination Nationalpark Unteres Odertal „Land im Strom“:

  • Wildnis
  • Überflutung der Auenlandschaft
  • Artenreichtum durch vielfältige Landschaftsräume auf engstem Raum
  • großflächige unzerschnittene Landschaften und Stille
  • gesund und aktiv in der Natur
  • geologische Besonderheiten durch eiszeitliche Prägung
  • Grenznähe

 

Der Nationalpark Unteres Odertal ist der einzige Flussauen-Nationalpark Deutschlands und der einzige Nationalpark in Brandenburg. Zusammen mit den östlich der Oder angrenzenden polnischen Landschaftsschutzparken „Unteres Odertal“ und dem „Zehdener Landschaftsschutzpark“ bilden die Schutzgebiete als räumliche Einheit den deutsch – polnischen Internationalpark Unteres Odertal.

 

Die Landschaft des Unteren Odertals wurde maßgeblich durch die letzte Inlandsvereisung (Weichselglazial, Pommersche Staffel) geprägt. Die so entstandenen Talhänge, die Talniederung und die Hochflächen bilden ein einzigartiges Landschaftsmosaik, das einer großen Anzahl von Tieren und Pflanzen Lebensraum bietet.  Das Untere Odertal zählt zu den wenigen naturnahen Flussauen Mitteleuropas und zu den artenreichsten Gebieten Deutschlands. Der Nationalpark Unteres Odertal verfügt über ausgedehnte, unzerschnittene Naturräume und kann dem Besucher einen Hauch von Wildnis vermitteln.

 

Hauptziel:

 

  • Profilierung als naturtouristische Ausflugsregion „Nationalpark Unteres Odertal“ und Umfeld

 

Grundlegende Ziele:

 

○    Erhalt und Sicherung des Naturpotentials

○    Integration des Nationalparks in die Region

○    Akzeptanz in der Bevölkerung durch Beitrag zur Regionalentwicklung

○    Sicherung des typischen Charakters der Region

○    Verkehrserschließung

○    naturverträglicher Tourismus

 

Teilziele:

 

  • Besucherlenkung
  • Organisation eines professionellen und grenzüberschreitenden Tourismus
  • Schaffung nachfragegerechter und zielgruppenspezifischer Angebote

 

9.6.1 Hauptziel: Profilierung als naturtouristische Ausflugs- und Urlaubsregion

 

Der Nationalpark Unteres Odertal soll ein Motor und Ideenträger der regionalen Entwicklung sein und als „Leuchtturm“ mit seinem unverwechselbaren Profil maßgeblich das Erscheinungsbild der Region Unteres Odertal prägen. Der Tourismus ist auf naturverträgliche Formen auszurichten. Eine starke Profilierung der Nationalpark–Region im Bereich des Naturtourismus sowie die sehr enge Zusammenarbeit zwischen Nationalparkverwaltung und den Trägern des Tourismus werden einen entscheidenden Anteil an der Erhöhung der Wertschöpfung in der strukturschwachen ländlichen Region des Nationalparks haben. Dadurch sollen die Besucherzahlen und Angebotsnachfragen steigen.

9.6.2 Grundlegende Ziele

Bei allen Planungen und Maßnahmen im Nationalpark haben immer der Erhalt, die Sicherung und Weiterentwicklung des Naturpotentials die oberste Priorität.

 

Zur Integration in die Region soll der Nationalpark vielfältige Kooperationen initiieren (z. B. regionale und überregionale Tourismusinstitutionen, Gemeinden und Ämter der Nationalparkregion, Wirtschaftsunternehmen und Förderer, Partner des Nationalparks Unteres Odertal, EUROPARC Deutschland, Verwaltungen der angrenzenden Schutzgebiete, Naturschutzverbände, Industrie- und Handelskammer, usw.). Die Belange der Bevölkerung werden in den Planungen und Maßnahmen der Nationalparkentwicklung angemessen berücksichtigt.

 

Die Erhöhung der regionalwirtschaftlichen Effekte durch den Nationalpark Unteres Odertal (die Berechnung erfolgt alle 5 Jahre: 2008, 2013…) soll wesentliche Grundlage für die Akzeptanz des Schutzgebietes sein. Dadurch kann die Lebensqualität der Bevölkerung der Nationalpark-Region erhöht, ein Tourismusbewusstsein in der Bevölkerung verankert und deren Identifikation mit dem Nationalpark erreicht werden. Auf die Beschränkungen, die zur Sicherstellung der Schutzziele des Nationalparks notwendig sind, reagieren die Bewohner der Nationalpark-Region deshalb mit Verständnis.

 

Die Zusammenarbeit und der Austausch von Informationen zwischen der Nationalparkverwaltung und den Kommunen der Nationalparkregion soll reibungslos erfolgen. Die Sicherung und Förderung des ländlichen Charakters der Region mit der Bewahrung und Betonung auf regionaltypische Eigenheiten ist zu gewährleisten. Der Tourist soll in den durchweg ländlich geprägten Orten Ortsbild prägende Elemente, wie Tabakscheunen, Feldsteinscheunen, Kirchen oder Gutshöfe und die ländliche Baustruktur erkennen, die für die Region des Unteren Odertals typisch ist. Die Nationalparkstadt Schwedt präsentiert sich ihm als Kultur-, Freizeit- und Wirtschaftszentrum und ein Eingangstor zum Nationalpark Unteres Odertal.

 

Der schutzzielkonforme Ausbau der inneren und äußeren Verkehrserschließung wird auf beiden Seiten der Oder angestrebt. Der Besucher erfährt, egal ob er als Radfahrer, mit dem Kanu, mit der Bahn, mit dem Schiff oder mit eigenem Pkw in die Nationalpark–Region anreist, von der Existenz des Nationalparks Unteres Odertal. Er soll die Nationalparkeingänge selbständig finden und mit öffentlichen Verkehrsmitteln alle Nationalparkgemeinden sowie die polnischen Gemeinden der Landschaftsschutzparke  besuchen können. Er hat die Möglichkeit die größeren Orte auf deutscher und polnischer Seite mit dem Schiff zu erreichen. Selbstverständlich wird dabei auch der Transport seines Fahrrades abgesichert.

 

In der in den Nationalparkplan zu integrierenden Behandlungsrichtlinie Wege im Nationalpark Unteres Odertal wurden zwar alle touristisch und wirtschaftlich genutzten Wege im Nationalpark Unteres Odertal festgeschrieben. Dennoch soll eine regelmäßige Überprüfung in Bezug auf Frequentierung und Beschaffenheit stattfinden. Die Erschließung von Wegen orientiert sich an der Destination und der für die Wege benötigte Ausbaugrad passt sich den Schutzzielen des Nationalparks an.

9.6.3 Teilziele

Die touristischen Wege verbinden Besuchereinrichtungen, repräsentative Landschaftsräume, überregionale Wanderwege und Gemeinden sinnvoll miteinander. Gut beschilderte Rad-, Wander-, und Reitwege sollen die Grundlage für die Lenkung der Besucher sein. Die Beschilderung ist dementsprechend ständig zu kontrollieren und zu erneuern. Das Erleben von Natur und Landschaft sowie vorhandener Bodendenkmale wird möglich, ohne Störungen in die Fläche hineinzutragen.

Prädestiniert durch seine landschaftliche Prägung ist der Nationalpark Unteres Odertal für Fahrradtouristen, die auch wegen der hier vorhandenen regionalen und überregionalen Radwege gute Voraussetzungen finden. Auch für Wanderer und Kanufahrer soll der Nationalpark interessante Naturerlebnisangebote bieten.

 

Für die gezielte koordinierte Entwicklung des umweltverträglichen Tourismus ist eine effektive professionelle Organisationsstruktur aufzubauen. Diese Strukturen sollen den Tourismusvereinen den nötigen personellen und finanziellen Handlungsfreiraum geben. Die regionalen Tourismusvereine haben eine sehr bedeutende Funktion als Koordinator und Initiator von verschiedenartigsten touristischen Aktivitäten zu erfüllen. In Zusammenarbeit mit Anbietern auf beiden Seiten der Oder sollen buchbare, nachfragegerechte und zielgruppenspezifische Angebote für alle Jahreszeiten entwickelt und vermarktet werden. Dabei wird angestrebt, die unterschiedlichsten Möglichkeiten des Internationalparks (z. B. Lehrpfade, Aussichtstürme, Rundwege usw.) und der Region (Natur und Kultur) zu nutzen, sinnvoll miteinander zu verknüpfen und auch die Belange von Besuchern mit Mobilitäts- oder Sinneseinschränkungen zu berücksichtigen. Der einmalige Schutzgebietsverbund der drei Großschutzgebiete verschiedener Kategorien in der Uckermark soll in die Angebotserarbeitung und Vermarktung eingebunden werden. Die Vernetzung des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin und des Naturparks Uckermärkische Seen mit dem Nationalpark Unteres Odertal erfolgt auf mehreren Ebenen. Dabei soll eine leistungsfähige touristische regionale Infrastruktur die Grundlage für einen nachhaltigen, natur- und sozialverträglichen Tourismus bilden.

 

Das Potential, das das länderübergreifende Schutzgebietsystem bietet, soll in der Erarbeitung und Umsetzung einer deutsch-polnischen Tourismuskonzeption entsprechend große Beachtung erfahren. Polnische Tourismusanbieter sollen mit den Tourismusvereinen zusammenarbeiten und gemeinsame Angebote entwickeln. Dabei müssen die Ballungszentren Berlin und Stettin als wichtige Quellmärkte fungieren.

9.7 Sonstige Nutzungen

Ver- und Entsorgungsleitungen für Strom, Wasser, Abwasser und andere Produkte, z. B. im Zusammenhang mit der Erdölverarbeitung und der Papierherstellung, sind im Nationalpark auf das Minimum zu beschränken und unterirdisch zu verlegen. Bei Neuverlegungen ist auf eine Bündelung von Trassen (auch Verkehrstrassen) zu achten. Nicht mehr benötigte Anlagen sind zurückzubauen (z. B. alte Stromleitungen und –masten). Ableitungen von Grund- und Oberflächenwasser sind auf das bestehende Maß zu beschränken und nach Möglichkeit weiter zu reduzieren. Bei der Entnahme von Oberflächenwasser ist das Eindringen von Tieren in die Entnahmeanlagen oder das Schädigen von Tieren an Einlaufrechen nach dem anerkannten Stand der Technik zu vermeiden.

 

Die Errichtung eines Kernkraftwerks im Landschaftsraum des Unteren Odertals ist mit dem Ziel eines international zertifizierten, anerkannten und grenzüberschreitenden Schutzgebiets nicht vereinbar. Die Ziele des Vogelschutzes und die Erhaltung des Landschaftsbildes stehen einer Errichtung von Windkraftanlagen auch außerhalb des Nationalparks entgegen, soweit die Standorte in ökologischer Wechselbeziehung mit dem Nationalpark stehen oder Sichtbeziehungen mit dem Nationalpark gegeben sind. Das Freihalten von Leitungstrassen zu Unterhaltungs- Kontroll- und Wartungszwecken hat nur bei unabweisbarem Bedarf und im minimalen Umfang zu erfolgen. Auf den Naturhaushalt und das Landschaftsbild ist Rücksicht zu nehmen.

 

Abwasser und Abgase sind nach dem anerkannten Stand der Technik zu reinigen und durch Kreislaufwirtschaft zu minimieren. Die Abwasserbelastung ist weiter zu verringern, was sowohl die thermische als auch die stoffliche Belastung betrifft.